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EU-Kommission veröffentlicht Studie zu nachhaltiger Unternehmensführung

In unserem aktuellen Newsletter ESG und Recht berichten wir über die „Study on directors’ duties and sustainable corporate governance“ („Studie“), die von der EU-Kommission unlängst veröffentlicht worden ist.

Die von EY im Auftrag der EU-Kommission erstellte Studie befasst sich zentral mit dem Phänomen des „Short-Termism“, des kurzfristigen Denkens in der Unternehmensführung. Die Fokussierung von Unternehmensentscheidern auf kurzfristige Shareholder-Value-Maximierung statt auf langfristige Interessen des Unternehmens reduziert die langfristige wirtschaftliche, ökologische und soziale Nachhaltigkeit von europäischen Unternehmen, so die zugrunde liegende These der Studie. Die Studie benennt mehrere Ursachen („Treiber“) für Short-Termism, wobei die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Marktpraktiken in Europa so wirkten, dass eine langfristige Ausrichtung der Unternehmensführung weder in den Pflichten, der Vergütung noch der Haftung der Unternehmensleitung eine relevante Rolle spielten.

Um Short-Termism zu begegnen, müssen nach der Studie der Zeithorizont und die Perspektive von Unternehmensentscheidungen erweitert werden, etwa durch Maßnahmen wie:

  • Verpflichtung der Unternehmensleitung zur Berücksichtigung langfristiger Interessen des Unternehmens (über 5 bis 10 Jahre hinaus) sowie anderer Stakeholder, also nicht nur der Shareholder;
  • Verpflichtung der Unternehmensleitung, Nachhaltigkeitsaspekte in die Geschäftsstrategie zu integrieren und u. a. messbare Nachhaltigkeitsziele zu identifizieren und zu kontrollieren;
  • bessere Haftungsdurchsetzung gegen die Unternehmensleitung auch durch Stakeholder.

Um eine Abkehr von Short-Termism zu erreichen, bedarf es nach der Studie einer „EU-Intervention“, wobei die Studie hierfür zwei „weiche“ und eine „harte-legislative“ Option anbietet. Die Studie favorisiert die „harte-legislative“ Option, wie auch EU-Justizkommissar Didier Reynders.

Die Studie folgt aus dem „Aktionsplan der Kommission zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ vom März 2018 und arbeitet die dort vorgesehene Maßnahme 10 ab. Die Studie fügt sich zudem ein in die weltweit geführte Diskussion zu „Stakeholder Capitalism“ als dem Alternativmodell zum „Shareholder Primacy Modell“ (Shareholder-Value).

Mehr zur Darstellung und Bewertung der „Treiber“ von Short-Termism, den von der Studie vorgeschlagenen drei Optionen für eine „EU-Intervention“ und zur Frage, ob eine Gezeiten-Wende in der Corporate Governance in Europa vom „Short-Termism“ zu „Long-Termism“ ansteht, lesen Sie in unserem oben genannten aktuellen Newsletter.

Dr. Matthias Etzel

Dr. André Depping

Dr. Daniel Walden

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Corporate Social Responsibilty ESG EU-Kommission Short-Termism

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