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Start-ups und die Coronakrise – adjust and move on

Die Sequoia Capital (https://www.sequoiacap.com) teilte am 5. März 2020 den Beitrag "Coronavirus: The Black Swan of 2020". Der Risikokapitalgeber empfiehlt den Start-ups, in die er indirekt investiert ist, unter anderem Kosten einzusparen, die eigene Cash Burn Rate zu reduzieren und die Ziele zumindest für das laufende Geschäftsjahr anzupassen.

Etwas mehr als zehn Tage nach der Veröffentlichung des Beitrages auf der Website des Risikokapitalgebers leitet die deutsche Politik immer drastischere Schritte ein, um – mit Blick nach Italien – die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Für Start-ups als junge Unternehmen mit starkem Wachstum und geringem Kapitalstock kommt die Krise – nimmt man die wenigen Gewinner einmal aus – in einer denkbar schlechten Phase der Unternehmensentwicklung. Es stellt sich daher die Frage, was Start-up Unternehmen tun können, um diese Phase zu überstehen oder idealerweise gestärkt aus ihr hervorzugehen.

Hier (Link) der Hinweis auf den Beitrag meines Kollegen Dr. Daniel Walden zum Pflichtenheft der Geschäftsführung von Start-ups in Krisensituationen der vorliegenden Art.

Analysiert man die Handlungsspielräume und Empfehlungen ist zunächst zwischen Early Stage Start-ups auf der einen Seite und Later Stage Start-ups auf der anderen Seite zu differenzieren. Beide Unternehmensgruppen haben aufgrund ihres unterschiedlichen Entwicklungsgrades andere Möglichkeiten, auf die Krise zu reagieren.

I. Later Stage Start-ups

Beginnt man mit den Later Stage Start-ups ist der beste Ausgangspunkt für die Überlegungen die Planungsrechnung des jeweiligen Unternehmens – in welcher Form diese auch immer vorliegt; sei es in Form eines Businessplans oder z.B. einer integrierten Planungsrechnung.

a) Schritt 1: Runway verlängern

Es ist damit zu rechnen, dass nicht nur das weitere Funding in den nächsten Monaten schwieriger wird und die Prozesse langwieriger werden, sondern auch – wie derzeit bei den allermeisten Unternehmen – die Umsätze zurückgehen.

Die bestehende Planung sollte daher insoweit überarbeitet werden als der Runway zu verlängern ist: Mit dem gleichen Geld muss länger ausgekommen werden. Entsprechend sind die Verkaufsprognosen sowie damit korrelierend das Marketing anzupassen.

Um sich jetzt aber nicht kaputt zu sparen und die Zeit, in der weniger Umsätze erwirtschaftet werden, für die Weiterentwicklung der IP bzw. des Geschäfts zu nutzen, wird die angekündigte staatliche Unterstützung auch für Later Stage Start-ups als Bridge Financing eine Bedeutung spielen. Wir werden Euch hier auf dem Laufenden halten. Wie der staatliche Rettungsschirm ausgestaltet sein wird und ob er sich für Later Stage Start-ups tatsächlich als Bridge Financing eignet, insbesondere ob die Aufnahme dieser Fremdmittel im Vergleich zu einer kleinen Zwischenfinanzierungsrunde mit den Bestandsinvestoren Sinn macht, wird erst in den nächsten Tagen und Wochen feststehen – wir halten Euch hier auf dem Laufenden.

Für den Fall, dass sich die staatlichen Mittel nicht eignen oder nicht zur Verfügung stehen und sich auch die Bestandsinvestoren nicht auf eine Zwischenfinanzierungsrunde einlassen, sollte darüber nachgedacht werden, eine kleine Runde mit Wandeldarlehen zu gestalten und den Darlehensgebern wie üblich einen Abschlag auf die kommende Finanzierungrunde anzubieten, die dann aber erst stattfinden wird, wenn wir aus dem gröbsten raus sind.

b) Schritt 2: Sonstige Maßnahmen

Um sämtliche Punkte bei der Anpassung der Planung zu durchdenken, muss natürlich auch über sonstige Maßnahmen nachgedacht werden, um die in Zeiten von zurückgehenden Umsätzen stehenden Kosten zu reduzieren; hierbei sollten insbesondere sämtliche Möglichkeiten des Arbeitsrechts ausgeschöpft werden. Hierzu geben unsere Arbeitsrechtler in Kürze weitere Informationen.

Abschließend muss natürlich auch das Thema Insolvenzanmeldung im Auge behalten werden – auch hier gibt es im Moment Überlegungen, die Anmeldepflicht auszusetzen bzw. nach hinter zu verschieben; auch zu diesen Überlegungen werden wir Euch laufend informiert halten.

II. Early Stage Start-ups

Ob es für Early Stage Start-ups schwieriger werden wird sich der gegenwärtigen Situation anzupassen, ist noch nicht klar.

Fest steht, dass die VC Fonds noch vor wenigen Wochen erfolgreich Geld einsammeln konnten. Kapital ist also vorhanden und will investiert werden. Allerdings haben die Fonds deutlich mehr Zeit, dieses Kapital zu verteilen als Start-ups, die nach einer ersten Finanzierung suchen. Aufgrund der aktuellen Ungewissheit ist davon auszugehen, dass wir in den nächsten Wochen weniger Finanzierungsrunden sehen werden. Allerdings werden vielversprechende Start-ups auch in den nächsten Monaten Finanzierungen bekommen. Fraglich ist allerdings, ob die Bewertungen die gleichen sein werden wie noch in den letzten Monaten.

Am sinnvollsten erscheint es daher auch für Early State Start-ups abzuwarten. Da es hier regelmäßig noch keinen Cashflow gibt, muss dieses Abwarten allerdings anders gestaltet werden als bei einem Later Stage Start-up. Soweit es nicht möglich ist, das Start-up aus eigenen Mitteln zu finanzieren und im weitesten Sinne zu Bootstrappen, wird es notwendig sein, Kapital aufzunehmen. Wir werden Euch auf dem Laufenden halten, ob die angekündigte staatliche finanzielle Unterstützung auch für Early Stage Start-ups zur Verfügung stehen wird. Im Moment sehen wir keinen Grund zur Annahme warum das nicht der Fall sein sollte. Im Übrigen sollten die Start-ups, die keine Finanzierung bekommen oder nur zu einer Bewertung, die sie nicht akzeptieren wollen, auch über Wandeldarlehen nachdenken. Der große Kritikpunkt an Wandeldarlehen ist regelmäßig, dass die Frage der Bewertung mit dem Wandeldarlehen nicht gelöst wird. Viele sprechen daher von einem verschobenen Date. Genau dieser Nachteil kann in der gegenwärtigen Situation einen Vorteil bieten.

Christian Philipp Kalusa
(Rechtsanwalt)

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