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Online-Mediation – neue Wege gehen in Zeiten von Corona

Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft haben bereits jetzt enorme Ausmaße angenommen und viele Geschäftsbeziehungen in eine Schieflage gebracht. Dies birgt ein großes Konfliktpotential, da verständlicherweise jeder erst einmal darauf bedacht sein muss, den Schaden für sich bzw. sein Unternehmen möglichst gering zu halten. Die Geschwindigkeit, in der sich alles verändert, sowie die Angst um die wirtschaftliche Existenz erzeugen zudem einen besonderen Druck, der dazu führen kann, dass Konflikte unerbittlicher geführt werden, weil Menschen in diesen Stresssituationen nicht so gut wie sonst in der Lage sind, vernünftige Lösungen zu finden. Hinzu kommt, dass persönliche Begegnungen zu einem klärenden Gespräch momentan und wohl auch noch für einige Zeit wegen Reisebeschränkungen und Ansteckungsgefahr ausscheiden.

Auf der anderen Seite sind vernünftige kooperative Lösungen in der Wirtschaft wohl nie dringender erforderlich gewesen als jetzt. Experten sind sich darüber einig, dass das Wirtschaftssystem und seine Akteure die Corona-Krise nur dann einigermaßen unbeschadet überstehen werden, wenn die Probleme miteinander gelöst werden und nicht ein Gegeneinander das Handeln bestimmt.

Online-Mediationen können dabei helfen, diese Krise zu meistern. Sie bieten mit Schnelligkeit, dem Streben nach kooperativen und konstruktiven Lösungen sowie Fernkommunikation die wichtigsten Kriterien, die momentan erforderlich sind.

Im Mediationsverfahren werden die Konfliktparteien von einem allparteilichen Mediator bei der Lösung ihres Konflikts unterstützt. Mithilfe des Mediators wird der Konflikt in seiner Gesamtheit betrachtet und herausgearbeitet, welche Interessen die Konfliktparteien eigentlich verfolgen und welche Emotionen, Wünsche und Bedürfnisse in dem Konflikt eine Rolle spielen. Auf diesem Fundament entwickeln die Medianten gemeinsam und eigenverantwortlich eine Lösung, die im Idealfall aus ihrem Konflikt eine Win-win-Situation macht. Win-win-Situation kann hier auch schon eine Lösung sein, die entstehende Schäden so verteilt, dass das wirtschaftliche Überleben beider Medianten zunächst gesichert ist und den Grundstein für neue Projekte nach der Krise legt.

Ein Mediationsverfahren eignet sich zwar nicht für jeden Konflikt und erübrigt auch keine sorgfältige Prüfung der Rechtslage, die ohnehin jede Konfliktpartei für sich zur Abschätzung der Chancen und Risiken vor dem Einstieg in eine Konfliktlösung durchführen sollte. In der momentanen besonderen Situation liegen jedoch drei grundsätzliche Vorteile der Mediation gegenüber Gerichtsverfahren auf der Hand:

  1. Ergebnis der Mediation ist, sofern sie gelingt, eine tatsächliche und zukunftsweisende Lösung des Konflikts, die auch - oder sogar nur - Elemente enthalten kann, die gar nicht justiziabel sind, z. B. die Vereinbarung von Teambuilding-Veranstaltungen, die Entwicklung neuer Projekte oder den Umgang mit zukünftigen Konflikten. Der Kreativität der Medianten sind kaum Grenzen gesetzt, solange die angestrebte Lösung nicht gegen geltendes Recht verstößt. Der Richter kann dagegen nur nach der Rechts- und Beweislage über die formgerecht gestellten Anträge entscheiden. Dies geschieht in der Regel vergangenheitsbezogen und kann sogar dazu führen, dass ein gewonnener Prozess einer Partei bei der Lösung ihres eigentlichen aktuellen Problems nicht weiterhilft. In der Corona-Krise können z. B. Übergangslösungen und Vertragsanpassungen gefragt sein, die sich mit einem Gerichtsverfahren nur schwer erzielen lassen.
  2. Nach der gelungenen Mediation ist eine Lösung gefunden, die beide Seiten zufriedenstellt und die Geschäftsbeziehung oft erhält. Mit dem Richterspruch verlieren nicht selten beide Parteien. Auch wenn eine Partei vollumfänglich Recht bekommt, hat der Prozess in der Regel die Geschäftsbeziehung zerstört.
  3. Ein Mediationsverfahren führt in der Regel, wenn es von allen Beteiligten mit Nachdruck betrieben wird, mit sorgfältiger Vorbereitung, Durchführung von maximal zwei Sitzungen und Abstimmung der Abschlussvereinbarung in wenigen Wochen zur Lösung des Konflikts. Ein Gerichtsverfahren dauert schon in der ersten Instanz nur selten unter einem Jahr.

Die Mediation lebt von der Kommunikation, die auch nonverbale Elemente enthält. Die Möglichkeit einer Online-Mediation wirkt daher auf den ersten Blick untauglich. Bislang gab es auch nur zaghafte Ansätze zur Online-Mediation, während die Masse der Mediatoren Verfahren ohne Präsenzkontakt ablehnte. Dies wird sich nun voraussichtlich ändern müssen. Die moderne Technik ermöglicht inzwischen auch Vieles, was eine Präsenzmediation nicht mehr erforderlich macht. Der reale Raum lässt sich durch einen virtuellen Raum ersetzen. Denkbar sind hierfür Chatfunktionen, Audio- und Videotechnologien oder komplett digitale Räume. Wie bei einer Präsenzmediation ist es möglich, gescannte Dokumente für alle sichtbar zu machen, ad hoc Themen zu visualisieren und sogar Kreativtechnikoptionen einzusetzen. So lassen sich einzelne Phasen der Mediation oder auch die komplette Mediation online durchführen – vorausgesetzt, Mediator und Medianten können auf einen internetfähigen Computer oder Laptop mit Kamera zugreifen. Technisch erfordert die Online-Mediation wenig Vorkenntnisse bei den Medianten.

Zu beachten ist, dass hinsichtlich der Vertraulichkeit bei der Online-Mediation höhere Risiken bestehen, da nicht verhindert werden kann, dass im Hintergrund noch weitere Personen anwesend sind, selbst wenn – was zu empfehlen ist – alle Teilnehmer eingangs schriftlich versichern, dass keine weiteren Personen mit ihnen den "virtuellen Raum" betreten.

Erwähnt werden sollte, dass auch reine Telefonmediationen denkbar sind. Diese Form der Konfliktlösung wird von einigen Rechtsschutzversicherern bereits in Verbraucherangelegenheiten erfolgreich angeboten und in den Niederlanden z. B. sogar bei Familienrechtsstreitigkeiten angewendet. Im Wirtschaftsrecht wird sich eine solche reine Telefonmediation allerdings nur anbieten, wenn es lediglich um wenig komplexe Streitgegenstände geht, die sehr schnell geklärt werden müssen, und die technischen Voraussetzungen für eine Online-Mediation gerade nicht verfügbar sind.

Wir beraten Sie gerne zu den Möglichkeiten einer zügigen und kooperativen Konfliktbearbeitung und führen auf Wunsch durch unsere Experten, die über eine Mediatorenausbildung verfügen, auch Online-Mediationen durch. Sollten wir z. B. wegen bestehender Mandatsverhältnisse zu Ihrem Unternehmen unsere Neutralität nicht gewährleisten können, geben wir Ihnen Empfehlungen für geeignete Mediatoren und begleiten Sie durch das Mediationsverfahren.

Dr. André Depping
(Rechtsanwalt)



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